Logo
DeutschClear Cookie - decide language by browser settings
Oebels, Judith (2011): Diagnostik semantisch-lexikalischer Störungen im Grundschulalter. Vergleich eines standardisierten Verfahrens mit einer Spontansprachanalyse. Bachelor, Ludwig-Maximilians-Universität München
[img]
Preview

PDF

10MB

Abstract

Die semantisch-lexikalische Diagnostik im Grundschulalter steht vor zahlreichen Anforderungen. So sollte diese neben Defiziten auch Ressourcen sowie das individuelle Bedingungsgefüge einbeziehen und verschiedene Aspekte des mentalen Lexikons und der Wortschatzentwicklung berücksichtigen. Bisher gibt es jedoch im Deutschen kein Verfahren, dass all dem alleine gerecht wird. Deshalb wird hier eine Kombination aus dem Wortschatz- und Wortfindungstest für 6- bis 10-Jährige (WWT 6-10, Glück 2007) und einer Spontansprachanalyse thematisiert. Vorliegende Untersuchung entstand aus der Erkenntnis, dass in der Praxis meist auf den WWT als unkompliziertere Methode zurückgegriffen wird. Eine erste Fragestellung beschäftigt sich deshalb damit, ob die Spontansprachanalyse therapierelevante Informationen erbringt, die durch den Einsatz des WWTs nicht erhältlich sind. Im Weiteren wird analysiert, ob die Spontansprachanalyse ausreicht, um den diagnostischen Anforderungen gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund wurden in einer qualitativ-empirischen Untersuchung mit drei sprachentwicklungsgestörten Grundschulkindern im Alter von 7;2, 7;4 und 9;10 Jahren beide genannten Verfahren verglichen. Dabei zeigte sich, dass der WWT vor allem dazu dient, zugrunde liegende Mechanismen aufzudecken und das individuelle Bedingungsgefüge zu beschreiben. Die Spontansprachanalyse trägt durch das Aufzeigen von Fähigkeiten die mit Semantik und Lexikon in Zusammenhang stehen ebenfalls zu dieser Beschreibung bei. Im Wesentlichen zeigt sie jedoch Symptomatik und Strategien. Wenn man nur eines der beiden Verfahren durchführt, fehlen somit bedeutsame Informationen zur Diagnosestellung. Die sich daraus ableitende Therapieplanung kann dementsprechend weniger zielgerichtet erfolgen. Als Schlussfolgerung ergibt sich, dass momentan eine Verfahrenskombination die einzige Lösung für das Problem der semantisch-lexikalischen Diagnostik ist, die dem Ausmaß des Störungsbildes gerecht wird. Für die Zukunft bleibt das Ziel bestehen, intensiv im Bereich der Diagnostik zu forschen und entsprechende Verfahren sowie ihre Kombination zu optimieren.

Abstract

The assessment of lexical-semantic disorders in elementary-school-aged children faces different challenges. Not only deficits but also resources, the individual conditions and various aspects of the mental lexicon and its development have to be considered. Until now there is no German diagnostic procedure which meets all these requirement. Therefore in this work a combination of the vocabulary and word-finding test for 6- to 10- year-old children (Wortschatz- und Wortfindungstest für 6- bis 10-Jährige (WWT 6-10), Glück 2007) and an analysis of spontaneous speech is discussed. The present investigation arose out of the realization that the WWT often is used because it is the simplest way. Therefore a first leading question is whether an analysis of spontaneous speech yields information which is relevant for therapy that can’t be obtained by the application of the WWT. Furthermore this raises the question of whether an analysis of spontaneous speech is entirely sufficient to meet all diagnostic requirements. Against this background both diagnostic procedures are compared in the framework of a qualitative and empirical investigation with three elementary-school-aged children (7;2, 7;4, 9;10 years old) with speech and language impairment. It turned out that the WWT especially reveals underlying mechanisms of the disorder and describes individual conditions. The analysis of spontaneous speech also contributes to this description by pointing out abilities which are related to semantics and the lexicon. However for the most part it shows up symptoms and strategies. Thus if only one of both diagnostic procedures is used important information for the diagnosis lack and the following therapeutic intervention will be less targeted. To sum up at the moment a combination of different diagnostic procedures is the only solution for the problem of the assessment of lexical-semantic disorders which does justice to the extent of the disorder. For the future it remains an aim to carry on research in this area and to optimize diagnostic procedures and their combination.