Abstract
Die türkische Sprachreform unter Mustafa Kemal Atatürk stellt ein zentrales Beispiel staatlicher Identitätspolitik dar. Mit der 1928 propagierten Parole „Vatandaş, Türkçe konuş!“ („Mitbürger, sprich Türkisch!“) zielte der junge Nationalstaat darauf ab, sprachliche und ethnische Einheit als Grundlage nationaler Zugehörigkeit durchzusetzen. Sprache fungierte dabei als Schlüsselmedium zur Herstellung einer homogenen Bevölkerung.
Die kemalistische Ideologie setzte voraus, dass Staatsbürgerschaft mit einer türkischen ethnischen, kulturellen und sprachlichen Identität identisch sei. Differenz wurde nicht anerkannt, sondern als zu überwindende Abweichung behandelt. Identität erschien somit zugleich als normative Forderung und als politisches Angebot: das Individuum sollte zu dem werden, was es gemäß der nationalen Doktrin angeblich bereits war. Die Sprachreform verdeutlicht damit exemplarisch das Spannungsfeld von Sprache, Macht und nationaler Identitätskonstruktion.
| Item Type: | Editorship |
|---|---|
| Keywords: | Sprachpolitik; Nationalismus; Sprache und Macht; Identitätskonstruktion; Türkei; Mehrsprachigkeit; Soziolinguistik; Sprachplanung; Diglossia; Multiple Graphization; Geschichte des Schreibens |
| Faculties: | Cultural Studies > Department of Ancient and Modern Cultures > Near and Middle Eastern Studies > Turkish Studies |
| Subjects: | 400 Language > 410 Linguistics 400 Language > 490 Other languages |
| URN: | urn:nbn:de:bvb:19-epub-130763-5 |
| ISBN: | 978-3-11-060126-8 |
| ISSN: | 2198-9664 |
| Place of Publication: | Berlin |
| Language: | German |
| Item ID: | 130763 |
| Date Deposited: | 21. Jan 2026 12:45 |
| Last Modified: | 21. Jan 2026 12:45 |
