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Bartmann, Daniela (23. Juli 2012): Überprüfung des Textverständnisses bei Kindern mit kognitiven Einschränkungen. Adaption der Timo-Geschichte. Masterarbeit, Ludwig-Maximilians-Universität München
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Abstract

Das Verstehen von auditiv dargebotenen Texten ist von hoher Alltagsrelevanz. Dabei stellt das Vorlesen von Geschichten aus Bilderbüchern ein für Kinder gut geeignetes Medium dar. Welche Fähigkeiten notwendig sind, um diese verstehen zu können, wird im theoreti-schen Hintergrund aufgezeigt und in einen modelltheoretischen Rahmen eingebettet. Au-ßerdem werden Entwicklungsstufen zum Erwerb des Textverständnisses dargestellt sowie bestehende Diagnostika und Methoden vorgestellt, mit denen einzelne Komponenten des Textverständnisses erfasst werden können. Von besonderer Bedeutung ist in der vorliegenden Arbeit der Zusammenhang von sprach-lichen und kognitiven Fähigkeiten, welche das Verstehen von Geschichten ermöglichen. Aufgrund dessen wurde die Timo-Geschichte nach Heel & Janda (2011) anhand theoreti-scher Erkenntnisse sowie den Ergebnissen aus einer Pilotgruppe bestehend aus vier Kindern an die Zielgruppe von Kindern mit kognitiven Einschränkungen adaptiert. Mit der daraus entstandenen Timo-Geschichte-I (für Kinder mit Intelligenzminderung) wurden 29 Kinder, bei denen bereits eine Intelligenzminderung diagnostiziert worden war, untersucht. Als sprachliche Vergleichstests dienten der TROG-D sowie der SETK 3-5. Ziel der Unter-suchung war es einerseits, die Durchführbarkeit der Timo-Geschichte-I zu evaluieren und Zusammenhänge zwischen personenbezogenen Faktoren sowie sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten mit den Leistungen in den Textverständnis-Aufgaben zu erfassen. In einer dritten Kategorie von Fragestellungen wurden die Ergebnisse der Kinder mit Intelligenz-minderung mit denen jüngerer, typisch entwickelter Kindern und Vorschulkindern mit sprachlichen Auffälligkeiten aus der Untersuchung von Heel & Janda (2011) verglichen. Die deskriptive Analyse der Daten zeigt auf, dass die an Kinder mit kognitiven Einschrän-kungen adaptierte Version der Timo-Geschichte gut geeignet ist, um die Zielgruppe im Hinblick auf unterschiedliche Komponenten des Textverständnisses hin zu untersuchen. Dabei haben alle drei Aufgabentypen- Verständnisfragen, gemeinsames Nacherzählen und Entdecken von Erwartungsverletzungen- ihre Berechtigung und lassen unterschiedliche Aussagen über die Fähigkeiten der Kinder zu. Während sich deutliche Zusammenhänge zwischen den Textverständnis-Aufgaben und den sprachlichen Leistungen finden ließen, zeigte sich für die Zusammenhänge zum Gesamt-IQ ein differenzierteres Bild. Die Kinder mit kognitiven Einschränkungen erzielten ähnliche Ergebnisse wie die Vorschulkinder mit sprachlichen Auffälligkeiten, wohingegen sie deutlich niedrigere Werte als die jüngeren, typisch entwickelten Kinder erreichten. Am dichtesten beieinander lagen dabei die Werte des gemeinsamen Nacherzählens, während beide anderen Gruppen im Vergleich zu den Kindern mit kognitiven Einschränkungen deutlich bessere Ergebnisse im Entdecken von Erwartungsverletzungen erreichten. Die Timo-Geschichte-I stellt also ein geeignetes Diagnostikum dar, um Grundschulkinder mit kognitiven Einschränkungen zu untersuchen und ihre Leistungen zu jüngeren, typisch entwickelten Kindern sowie zu Kindern mit sprachlichen Auffälligkeiten abzugrenzen.

Abstract

The understanding of text is of great relevance for everyday life. A natural situation for children to listen to text is storybook telling. The abilities necessary for understanding them as well as the theoretical background are explained in this thesis and also put into practical content. Furthermore, steps of development of text comprehension are summarized and methods as well as diagnostics are presented with the help of which individual components of text comprehension can be investigated. A particularly important point in this thesis is the link between linguistic and cognitive abilities which enable a child to understand stories. As a result of this, Heel & Janda’s (2001) Timo-Geschichte was adapted for children with cognitive impairment in respect to theoretical insights and the results of a pilot-group consisting of four children. Using the resulting Timo-Geschichte-I (for children with Intellectual Impairment) 29 children, who have before been diagnosed with cognitive impairment, were examined. For comparison tests for linguistic skills, TROG-D and SETK 3-5, were used. On the one hand these aimed to evaluate the feasibility of Timo-Geschichte-I as well as to investigate connections be-tween personal based factors and linguistic and cognitive skills with the children’s achievements in text comprehension. In a third class of questions, results of the experi-mental group were compared to the achievements of typically developed children on the one hand and a group of children with linguistic irregularities on the other hand. The descriptive analysis of the data shows that the adapted version of Timo-Geschichte is well suitable to examine different components of text comprehension in children with cog-nitive impairment. All the three task- types- comprehension questions, joint retell and ex-pectancy violation detection task- have their justifications and allow different statements about the children’s abilities in text comprehension. While there were clear links between linguistic skills and abilities in text comprehension in the experimental group, a more dif-ferentiated view in relation to overall-IQ became apparent. The results of the children with cognitive impairment were comparable to the ones of preschool children with linguistic irregularities clearly achieved lower results than younger, typically developed children. Closest to each other were the results in joint retell while both control groups clearly showed better values in the expectancy violation detection task. Timo-Geschichte-I is a suitable diagnostic tool to examine children with cognitive impair-ment between six and twelve years of age and to differentiate their performance from younger, typically developed children as well as to children with linguistic irregularities.