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Chalier, Marc (28. Juli 2014): Quel standard québécois? Une étude perceptive. Masterarbeit, Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften, Ludwig-Maximilians-Universität München.
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Abstract

Die Plurizentrik der Normen gehört zu den aktuellen großen Fragen der (romanistischen) Varietätenlinguistik. Die vorherrschende Lehrmeinung geht hierbei davon aus, dass das Französische eine Ausnahme darstellt: Im Gegensatz zu anderen Weltsprachen wie Englisch, Spanisch, Portugiesisch oder Deutsch sei das Französische Frankreichs – im Bereich der Aussprache sogar speziell von Paris – die weltweit unumstrittene Norm (vgl. Pöll 2005). Die vorliegende Masterarbeit stellt diese weit verbreitete Annahme in Frage. Insbesondere in Québec können seit einigen Jahrzehnten eigenständige Normierungsbestrebungen – insbesondere in den Bereichen Lexik und Aussprache – beobachtet werden. Die vorliegende Masterarbeit geht dieser Frage auf Basis einer empirischen Studie im Rahmen der perzeptiven Varietätenlingustik (vgl. Krefeld/Pustka 2010) nach. Basierend auf vier Stimuli von Modellsprechern (vgl. Reinke 2004, Ostiguy/Tousignant 2008) aus Paris, der Schweiz und Québec untersucht sie die perzeptiven Repräsentationen und Spracheinstellungen von 101 aus Québec und Montréal stammenden Informanten. Ziel der Arbeit ist es, eine potentielle endogene Aussprachenorm (insbesondere für den Unterricht) für Québec zu beschreiben, die dem Sprachbewusstsein ihrer Sprecher gerecht wird. Die Untersuchung zeigt, dass aktuell neben der traditionellen Pariser Aussprache eine schwach markierte endogene Québec-Aussprache nicht nur verdecktes, sondern auch offenes Prestige (vgl. Labov 1966, Pöll 2005) genießt. Diese beeinhaltet auf der segmentalen Ebene die Affrizierung der Plosive /t/ und /d/ sowie die Oppositionen /a/ : /ɑ/ und /ɛ/ : /ɛː/. Dagegen scheinen der apikale Trill (statt uvularem Frikativ) sowie die Diphthongierungen sozial und/oder stilistisch niedrig markiert zu sein. Die Arbeit konnte schließlich mehrere Forschungsdesiderata aufdecken: Eine kontrastive Studie, die mehr als zwei frankophone Regionen bezüglich des dort vorherrschenden Sprachbewusstseins zur Aussprachenorm erforscht hätte, fehlt bisher völlig. Ebenso ungeklärt bleibt bisher die methodologische Problematik einer genauen Definition der Merkmale dieser potentiellen Aussprachenormen, die beispielsweise mit den Methoden der perzeptiven Varietätenlinguistik geklärt werden könnte.