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Christiansen, Birgit (2005): Die Ritualtradition der Ambazzi. Eine philologische Bearbeitung und entstehungsgeschichtliche Analyse der hethitischen Ritualtexte CTH 391, CTH 429 und CTH 463. Studien zu den Boğazköy-Texten; Bd. 48. 1. Auflage. Wiesbaden: Harrassowitz
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Abstract

Innerhalb der hethitischen keilschriftlichen Überlieferung aus Bogazköy gibt es zahlreiche Beschwörungsritualtexte. Viele dieser Texte werden als Rede bestimmter ritualkundiger Personen ausgewiesen. In dieser Studie wird eine Gruppe von Beschwörungsritualtexten zusammengestellt und bearbeitet, die der Überlieferung zufolge wahrscheinlich alle auf eine Frau namens Ambazzi zurückgeführt werden. Neben der philologischen Bearbeitung und inhaltlichen Erschließung liegt der Schwerpunkt auf der entstehungsgeschichtlichen Analyse der Texte. Dabei erörtert die Autorin zum einen allgemein die Beziehung zwischen Ritualtext und ritueller Praxis sowie ritualkundiger Person und Schreiber. Zum anderen zeigt sie auf, in welchem Verhältnis die von ihr bearbeiteten Ritualtexte zueinander stehen. Die bearbeiteten Textfragmente werden zunächst datiert und einer literar- und redaktionsgeschichtlichen sowie einer inhaltlichen Analyse unterzogen und miteinander verglichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Texten herauszuarbeiten. Es zeigt sich, dass die Texte eine lange Entstehungsgeschichte durchlaufen haben, wobei sie umfangreichen redaktionellen Veränderungen seitens der Schreiber unterzogen wurden. Auf diese Weise wird deutlich, dass das Verhältnis zwischen Ambazzi und den auf sie zurückgeführten Ritualtexten loser ist als es bisher in der Forschung angenommen wurde: So geht CTH 463 im Kern auf mesopotamische Traditionen zurück und ist daher zur Übersetzungsliteratur zu rechnen. Die Namensangabe im Incipit des Textes dürfte also hethitischer Konvention folgen und nicht im Sinne einer "Verfasserschaft" zu werten sein. Auch für die anderen Texte kann die Autorin zeigen, dass sie allenfalls im Kern eine mündliche Überlieferung einer Frau namens Ambazzi bewahrt haben.

Abstract

During the excavations of the Hittite capital Hattusa (modern Boghazkale/Boghazköy) numerous fragments of ritual tablets in Hittite language and cuneiform have been unearthed. Many of them preserve incantation or magical rituals which are purported as personal prescriptions of women with an expertise in curing people from various ailments. The study deals with a group of ritual texts which are ascribed to a woman named Ambazzi (CTH 391, CTH 429, CTH 493) and show Luwian influences. Besides an edition of these texts and a discussion of the ritual practices the study investigates the interrelationship between Hittite ritual and scribal practice. In applying the methodologies of text linguistics and biblical exegesis it demonstrates that Hittite ritual texts of this sort cannot be simply seen as protocols of performed rituals as many scholars assume. It is rather the case that most of the texts underwent a complex redactional history and served both as reference works for the ritual practitioners at the Hittite court as well as reference and study material for the scribes.