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Lehnert, Valerie; Erhard, Michael; Reese, Sven ORCID: 0000-0002-4605-9791; Schmidt, Paul; Pflaum, Gabriele; Rauch, Elke (March 2022): Erfassung und Beurteilung tierschutz­relevanter Auffälligkeiten bei Rindern in einem Verarbeitungsbetrieb tierischer Nebenprodukte in Süddeutschland. Acquisition and evaluation of animal welfare problems in cattle in an animal by-products processing plant in southern Germany. In: Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift, Vol. 135: pp. 1-14
Full text not available from 'Open Access LMU'.

Abstract

Mehrere Hunderttausend Rinder werden jährlich in Deutschland euthanasiert/getötet oder verenden. Aus seuchenhygienischen Gründen werden diese in Verarbeitungsbetrieben Tierischer Nebenprodukte (VTN) entsorgt. Außer der BSE-Probenentnahme (bei Rindern über 48 Monaten) erfolgt keine (regelmäßige) Inaugenscheinnahme. Folglich ist es anzunehmen, dass Tiere mit tierschutzrelevanten Veränderungen unbeachtet weiterverarbeitet werden. In dieser Studie wurden innerhalb eines Jahres 750 Rinder auf äußerliche Veränderungen untersucht, bei denen davon auszugehen war, dass sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden waren. Abhängig von den ermittelten Auffälligkeiten, erfolgte eine Zuordnung der Rinder in fünf Kategorien. Nach Einteilung der Rinder wurden 42,5 % als nicht tierschutzrelevant erachtet (Kategorien 1 und 2), 57,5 % als (bedingt) tierschutzrelevant (Kategorien 3–5). Bei 11,6 % der 750 untersuchten Rinder war anhand der Ergebnisse einer pathologischen Untersuchung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von beträchtlichen Schmerzen und/oder Leiden und/oder Schäden auszugehen (Kategorie 5). Diese Vermutung lag bei weiteren 7,1 % der 750 Tiere nahe. Die Kapazitäten für weiterführende Untersuchungen zur Bestätigung dieses Verdachtes waren jedoch bei den beteiligten Instituten nicht vorhanden (Kategorie 4.2). 83,6 % aller untersuchten Tiere hatte mindestens eine Auffälligkeit am Tierkörper. Im Mittel hatte ein Rind mit Veränderungen 4,4 auffällige Befunde. Festgestellt wurden vor allem Integumentschäden – jedes zweite Tier hatte Dekubitalstellen. Weiterhin hatte knapp ein Drittel der Tiere Klauenveränderungen. Trotz vergleichbarer Ergebnisse anderer, früherer Untersuchungen, finden in Deutschland keinerlei systematische amtliche Kontrollen statt. Ein Gesetzentwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes, der die rechtlichen Grundlagen dafür schaffen sollte, wurde vom Bundestag nicht verabschiedet. Es ist dringend notwendig, zeitnah regelmäßige Untersuchungen aller Nutztierarten in VTN einzuführen.

Abstract

In Germany, hundreds of thousands of cattle are euthanized, killed, or die every year. Due to epidemic control, they have to be disposed of in animal by-products processing plants. Except for the BSE testing (cattle older than 48 months), there is no (regular) observation. Consequently, one can assume that animal welfare problems get overlooked. In the study, 750 cattle were observed within one year to detect indications of pain, suffering, or injuries. Depending on the observed anomalies a classification into five categories was made. As a result 42.5% of all 750 cattle had no signs of welfare problems (category 1 and 2). 57.5% had (probably) animal welfare problems (categories 3–5). In 11.6% (of 750 animals) a pathological analysis showed that it was reasonable to assume that there was severe pain, suffering and/or injury with virtual certainty (category 5). In 7.1% (of 750 cattle) this assumption was likely, but there were no free capacities at the competent authorities to do further investigations (category 4.2). 83.6% of 750 cattle showed at least one, on average 4.4 abnormalities. Almost half of the observed animals showed decubitus ulcers, one-third had claw diseases. Although the grievances shown in this study were determined in other previous investigations and regular systematic examinations of all livestock species in processing plants are urgently needed, they still do not take place. A draft law to change the german animal protection law to create the legal basis was not adopted by the German Bundestag.