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Leidl, Reiner and Schweikert, Bernd (December 2011): Wirtschaftlichkeit und Management in der Rehabilitation von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Bericht zur Rehabilitationswissenschaftlichen Forschung Nr. 1.
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Abstract

Hintergrund: Die Trends stark steigender Ausgaben, innovativer medizinischer Verfahren und der Alterung der Gesellschaft machen eine stärkere Effizienzorientierung auch in der Rehabilitation unumgänglich. Die ökonomische Evaluation bietet einen Ansatz, diese Neuorientierung auf eine Evidenzbasis zu stellen. Ziel: In einem weit greifenden Ansatz sollte eine Intensivierung der stationären Rehabilitation von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen auf ihre Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit untersucht und Ansatzpunkte einer Einbindung der Erkenntnisse in die Versorgung gesucht werden. Methoden: Die ökonomische Evaluation begleitete einen klinischen Versuch, in dem ein intensiviertes psychologisches Programm mit der herkömmlichen stationären Rehabilitation mit einer Nachverfolgung von einem halben Jahr verglichen wurde. Zuvor waren in Pilotstudien Instrumente zur Messung der poststationären Kosten mittels eines Kostenwochenbuchs und der Effekte – in Form gesundheitsbezogener Lebensqualität – mittels des Fragebogens des EuroQol 5D getestet worden. Die Einbindung von Studienergebnissen wurde durch konzeptionelle Analysen zur Entscheidungsfindung und zum Rehabilitationsmanagement untersucht. Ergebnisse: In jedem Studienarm nahmen etwa 200 Patienten teil. Die intensivierte psychologische Betreuung führte zu einer leichten Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität – gemessen auch in qualitätsbereinigten Lebensjahren (QALYs), die aber nicht statistisch signifikant war. Den leicht erhöhten Versorgungskosten standen deutliche Einsparungen durch eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in der Nachbeobachtungszeit gegenüber. Auf Grund einer hohen Streuung der Resultate war die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit aber statistisch nicht signifikant, was eine Empfehlung an Entscheidungsträger erschwert. Durch das Setzen von Anreizen, die an der Erwerbsfähigkeit und dem langfristigen Gesundheitszustand der behandelten Patientengruppen anknüpfen, könnte das Rehabilitationsmanagement stärker ökonomisch ausgerichtet werden. Diskussion: Die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit von Rehabilitationsmaßnahmen kann in einem aufwändigen Verfahren begleitend zu einem klinischen Versuch durchgeführt werden. In der vorliegenden Studie gehörten die Prüfung der eingesetzten Instrumente, der Umgang mit fehlenden Werten an den verschiedenen Messzeitpunkten und die Interpretation der hohen Unsicherheit der Effekte und der Kosten-Effektivitätsrelation sowie zu den methodischen Herausforderungen. Schlussfolgerung: Bezogen auf die Kosten des Produktivitätsausfalls weist die Intensivierung der Rehabilitation in eine Erfolg versprechende Richtung. Hinsichtlich der Lebensqualitätseffekte ist weiter nach wirksameren Rehabilitationsmaßnahmen zu suchen. Grundsätzlich könnten Anreize zu beiden Teilendpunkte ein effizientes Rehabilitationsmanagement fördern.