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Keimelion

Aus dem Evangeliar Karls des Großen

Unter dem Projektnamen Keimelion bietet die Universitätsbibliothek im Zuge ihrer Open-Access-Politik gemäß der "Budapester Open Access Initiative" und der "Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen" den freien elektronischen Zugriff auf die herausragenden Objekte ihres Schatzhauses an.

Unter der Signatur "Cim." (= "Cimelia") wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts besonders kostbare Werke aus dem Bestand der Universitätsbibliothek zusammengefasst. Darunter befinden sich heute über 60 Handschriften, 11 Blockbücher, 13 Inkunabeln und 54 wertvolle Drucke. Bei einigen Zimelien handelt es sich um Kulturobjekte von Weltrang.

Manche Werke bewahrte die Bibliothek schon zu Ingolstädter Zeiten im 18. Jahrhundert gesondert auf. Darauf deutet eine Bemerkung in Cim. 69 hin, derzufolge das Buch wegen seines Wertes 1796 nach München verbracht worden sei, um es vor den Gefahren der erwarteten Belagerung Ingolstadts während der Französischen Revolutionskriege zu schützen. Auch Hauptkatalogeinträge wie "Im Pult des Bibliothekars" oder "Im eisernen Schrank" lassen eine Separierungspraxis vermuten, die allerdings nicht nur dem Wert des Objektes geschuldet war, sondern auch einer zensorischen "Giftschrank"-Mentalität Rechnung trug. Nach der Darstellung des Oberbibliothekars Karl Schafhäutl (1803-1890) ließen sich 1854, als er die Leitung der Bibliothek übernahm, jedoch gerade die wertvollsten Bücher zum Teil nicht mehr auffinden, zum Teil befanden sie sich in einem desolaten Zustand; beispielsweise lagerten die Leibniz-Briefe zerknüllt in einer alten Kiste.

Schafhäutl ließ die Zimelien sammeln, katalogisieren, in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung numerieren und in Pulten mit Glasdeckeln unterbringen. Das Wissen um die chronologische Ordnung der Zimeliennummern ging gleichwohl mit der Zeit verloren, so dass neue Objekte nach Gutdünken ans Ende der Reihe oder neben Stücke gestellt wurden, die irgendwelche verwandten Merkmale aufwiesen.

Einige Zimelien gingen leider verloren. Die Leibniz-Briefe an Ferdinand Orban (Cim. 21) verbrannten beim Bombenangriff auf München am 16. Juli 1944, da sie den Schutz des Auslagerungsortes verlassen hatten, um von einem Hochschullehrer eingesehen zu werden. Gregors von Tours De virtutibus et miraculis Sancti Martini (Cim. 28), die Kaiserchronik (Cim. 32), Bartholomaeus Platinas Historia de vitis pontificum (Cim. 35) und Vitus Anton Winters Über die ältesten Gesetze Bajuwariens (Cim. 41) waren während einer Bestandsrevision bereits 1908 nicht mehr auffindbar. Die Morgengebete für den hl. Versöhnungstag (Cim. 33) müssen seit September 1939 als vermisst gelten.

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