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Remde, Hanna and Nölting, Svenja (2021): Phäochromozytom – Modellerkrankung für die personalisierte Medizin. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift, Vol. 146, No. 23: pp. 1520-1526

Full text not available from 'Open Access LMU'.

Abstract

Was ist neu? Pathophysiologie und Epidemiologie Phaochromozytome und Paragangliome (PPGL) sind Tumoren des Nebennierenmarks bzw. der Paraganglien mit malignem Potenzial. Sie lassen sich anhand der zugrunde liegenden Mutationen in Cluster unterteilen. Cluster-1-Tumoren basieren auf einer Aktivierung von Pseudohypoxie-Signalwegen, Cluster-2-Tumoren auf einer Aktivierung von Tyrosinkinase-abhangigen Signalwegen. Cluster-3-Tumore sind mit Veranderungen in Wnt-abhangigen Signalwegen assoziiert (auf Cluster 3 wird im Weiteren nicht genauer eingegangen, da vieles hierzu noch unbekannt ist). In 30-35% der Falle liegen (autosomal-dominant vererbte) Keimbahnmutationen vor. Weitere 35-40% der Falle beruhen auf somatischen Mutationen. Die Penetranz der Erkrankung ist abhangig vom betroffenen Gen, liegt jedoch bei allen Genen unter 50%. Cluster-1-Tumoren sind haufiger extraadrenal lokalisiert und haben das hochste Metastasierungsrisiko. Cluster-2-Tumoren sind meist adrenal lokalisiert und haben ein geringes Metastasierungsrisiko. Klinik und Diagnostik Patient*innen mit bekannter Keimbahnmutation sowie solche mit klinischen Zeichen und Symptomen eines PPGL, mit einem adrenalen Inzidentalom oder einem PPGL in der Vorgeschichte, sollten auf ein PPGL gescreent werden. Hierfur werden Metanephrin (MN), Normetanephrin (NMN) und 3-Methoxythyramin (3MT) im Plasma (optimalerweise mittels Massenspektrometrie LC/MS-MS) bestimmt. Cluster-1-Tumoren weisen ein noradrenerges, Cluster-2-Tumoren ein adrenerges Sekretionsmuster auf, wobei letztere mit einer ausgepragteren und haufig intermittierenden Klinik (Palpitationen, Tremor, Hyperhidrosis, Angst, hypertensive Entgleisung) einhergehen. Werden deutlich erhohte MN- und/oder NMN-Spiegel festgestellt, erfolgt eine bildgebende Tumorsuche mittels CT oder MRT, ggf. wird diese um eine funktionelle Bildgebung erganzt. Therapie Lokalisierte PPGL werden operativ entfernt. Dies kann meist minimalinvasiv erfolgen und sollte an einem erfahrenen Zentrum durchgefuhrt werden. Um Komplikationen zu vermeiden, erfolgt praoperativ eine medikamentose alpha -Rezeptorblockade. Metastasierte PPGL werden derzeit mit Radionuklidtherapie, Chemotherapie oder Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt, auch wenn es noch keine offiziell zugelassenen Therapien gibt. Weitere neue Therapien befinden sich derzeit in der klinischen Testung. Vor- und Nachsorge Die meisten Patient*innen, insbesondere die mit bestimmten Risikokonstellationen, benotigen aufgrund des Rezidiv- und Metastasenrisikos ein lebenslanges Follow-up, welches abhangig von der zugrunde liegenden Mutation gestaltet wird. Hierzu gehort die regelma ss ige (meist jahrliche) Bestimmung von MN und NMN im Plasma sowie in bestimmten Fallen auch eine Bildgebung. Da bei SDHx -Mutationen auch hormoninaktive PPGL auftreten konnen, werden fur diese Patient*innen auch regelma ss ige bildgebende Kontrollen nach einer kurzlich erschienenen Leitlinie empfohlen. Abstract Pheochromocytomas and paragangliomas (PPGL) can be related to a uniquely high rate of underlying germline and somatic mutations. Accordingly, they can be assigned into genetic clusters, which are related to a specific biochemical and clinical phenotype as well as a different long term prognosis. The present article discussed how emerging knowledge on the respective clusters allows individual patient management before, during and after occurrence of a PPGL to improve clinical outcome.

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