Logo Logo
Hilfe
Hilfe
Switch Language to English

Mumm, Peter-Arnold (Hrsg.) (2018): Sprachen, Völker und Phantome. Sprach- und kulturwissenschaftliche Studien zur Ethnizität. Münchner Vorlesungen zu Antiken Welten, Bd. 3. Berlin: De Gruyter. [PDF, 9MB]

Abstract

Die türkische Sprachreform unter Mustafa Kemal Atatürk stellt ein zentrales Beispiel staatlicher Identitätspolitik dar. Mit der 1928 propagierten Parole „Vatandaş, Türkçe konuş!“ („Mitbürger, sprich Türkisch!“) zielte der junge Nationalstaat darauf ab, sprachliche und ethnische Einheit als Grundlage nationaler Zugehörigkeit durchzusetzen. Sprache fungierte dabei als Schlüsselmedium zur Herstellung einer homogenen Bevölkerung.

Die kemalistische Ideologie setzte voraus, dass Staatsbürgerschaft mit einer türkischen ethnischen, kulturellen und sprachlichen Identität identisch sei. Differenz wurde nicht anerkannt, sondern als zu überwindende Abweichung behandelt. Identität erschien somit zugleich als normative Forderung und als politisches Angebot: das Individuum sollte zu dem werden, was es gemäß der nationalen Doktrin angeblich bereits war. Die Sprachreform verdeutlicht damit exemplarisch das Spannungsfeld von Sprache, Macht und nationaler Identitätskonstruktion.

Dokument bearbeiten Dokument bearbeiten