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Christiansen, Birgit (2015): „Früher war er ein von Bienen Zerstochener. Jetzt aber gibt er 6 Schekel Silber“. Sanktionen und Sanktionsprinzipien in der Hethitischen Rechtssammlung. In: Zeitschrift für Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte, Vol. 21: S. 31-101
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Abstract

The study is concerned with the Hittites’ juridical principles of punishment and their historical development. The analysis focuses on the casuistic Hittite Law Code, which is extant in multiple versions from different periods of Hittite history. Over time, some aspects of the sanctions saw fundamental changes, and already the Old Hittite version refers to older provisions which have been replaced by the current regulations. The study’s core interest is in which transgressions incurred which punishments in what degree of severity and in how far specific principles and systems of values can be gleaned from this data. The study qualifies the general scholarly consensus by showing that many propositions of Hittite law are based on the law of talion. It was further demonstrated that the severity of the penalty imposed for homicide and certain kinds of bodily harm depends on whether the deed was committed intentionally, which is expressed by the Hittite word sullanaz, or on impulse, which is expressed with the phrase “his/the hand sins”. In previous research, the word sullanaz has generally been translated as “in a quarrel” or “due to a quarrel”, which implies that the term designates an intentional but not premeditated transgression, whereas deeds committed “by the transgression of the hand” were defined as negligent action. The study accordingly refutes the established interpretation which held that Hittite law does not contain special provisions for premeditated homicide, with the exception of the robbery and murder of a merchant.

Abstract

Gegenstand der Studie sind die juristischen Strafprinzipien der Hethiter in ihrer historischen Entwicklung. Ausgewertet wurden dabei vor allem die kasuistischen Rechtssätze der Hethitischen Gesetze, von denen uns verschiedene Versionen aus unterschiedlichen Epochen der hethitischen Geschichte überliefert sind. Im Laufe der Zeit kam es in einigen Punkten zu tiefgreifenden Änderungen der Strafbestimmungen, wobei bereits die althethitische Version auf ein früheres nicht mehr geltendes Recht Bezug nimmt. Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, für welche Vergehen welche Strafen in welcher Höhe verhängt werden und inwiefern sich daran bestimmte Prinzipien und Wertesysteme ablesen lassen. Abweichend von der mehrheitlichen Forschungsmeinung konnte dabei gezeigt werden, dass viele Sätze der Hethitischen Gesetze auf dem Talionsprinzip beruhen. Zudem wurde dargelegt, dass die Höhe der Buße, die für Menschentötung und bestimmte Körperverletzungsdelikte festgesetzt wird, davon abhängig gemacht wird, ob die Tat mutwillig ausgeführt wurde, was durch den hethitischen Terminus sullanaz zum Ausdruck gebracht wird, oder im Affekt geschah, was mit der Wendung „seine/die Hand sündigt“ bezeichnet wird. In der bisherigen Forschung wurde die Wendung sullanaz hingegen zumeist mit „im Streit“ bzw. „aufgrund eines Streites“ übersetzt, wobei von einer Bezeichnung eines vorsätzlichen, jedoch ungeplanten Vergehens angenommen wurde, während die Tat „durch das Sündigen der Hand“ als fahrlässiges Handeln definiert wurde. Dementsprechend wurde in der Studie die gängige Forschungsmeinung widerlegt, wonach die Hethitischen Gesetze abgesehen von dem Spezialfall des Raubmordes eines Kaufmannes geplante Tötungen nicht berücksichtigen.