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Bade, Ann (17. November 2025): "Allacher Porzellan" - Produktionsbedingungen und Produkte eines SS-Betriebs im Spiegel des 21.Jahrhunderts. Masterarbeit, Ludwig-Maximilians-Universität München
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Abstract

Anfang Januar 1936 beteiligte sich Heinrich Himmler, für die Öffentlichkeit noch nicht ersichtlich, an der Gründung der Porzellanmanufaktur Allach-München, die seither die SS-Sigrune als Markenzeichen führte. Bereits ein Jahr später wurde die Porzellanproduktion in das Dachauer Werk auf dem SS-Gelände in unmittelbarer Nähe zum dortigen Konzentrationslager verlagert, während am Allacher Standort weiterhin Keramik hergestellt wurde.

Vor dem Hintergrund des kriegsbedingten Arbeitskräftemangels wurden ab 1939/40 erstmals Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau in der Porzellanproduktion eingesetzt. Trotz der im Vergleich zu anderen im Konzentrationslagersystem verordneten Arbeitskommandos weniger tödlicher Arbeitsbedingungen waren die Häftlinge auch hier stetiger Unterdrückung, Disziplinierungsmaßnahmen und Gefahren wie Krankheit ausgesetzt.

Die SS-Porzellanmanufaktur Allach sollte als Prestigeprojekt der SS und als Medium zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie fungieren. Neben harmlos anmutenden Tierfiguren, welche als Massenprodukte produziert wurden und der breiten Bevölkerung als Schmuck für das eigene Heim dienen sollten, galten Objekte wie der „SS-Fahnenträger“ als unverkäuflich und waren allein zu Himmlers Verfügung bestimmt.

Die wirtschaftlichen Interessen der SS sowie deren systematische Durchdringung des KZ-Systems sind in der Forschung grundsätzlich gut belegt. Auch die Allacher Porzellanmanufaktur wurde bereits im Kontext verwaltungstechnischer und ökonomischer Strukturen untersucht. Eine systematische Auseinandersetzung mit dem Einsatz von KZ-Häftlingszwangsarbeit im Unternehmen unter Berücksichtigung der Opferperspektive blieb jedoch bislang aus.

Die vorliegende Arbeit untersucht unter dem Titel „Allacher Porzellan“ – Produktionsbedingungen und Produkte eines SS-Betriebs im Spiegel des 21. Jahrhunderts den Einsatz von Häftlingszwangsarbeitern in der SS-Porzellanmanufaktur Allach, die ideologische Dimension der Objekte sowie den heutigen musealen und erinnerungskulturellen Umgang mit diesen Artefakten. Im Fokus stehen Fragen der historischen Kontextualisierung, der Verantwortung musealer Institutionen und Sammlungen sowie der Rolle der Erinnerungsarbeit im Umgang mit NS-belasteten Objekten.

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