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Weißgerber, Sebastian (November 2018): Medjugorje und die katholisch-charismatische Bewegung. Von der Sakralisierung eines Ortes durch den sozialen Sinn des Rosenkranzes. Master Thesis, Ludwig-Maximilians-Universität München
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Abstract

Die ethnographische Arbeit beschäftigt sich mit zwei Phänomenen: Zum einem mit dem Ort Medjugorje in Bosnien und Herzegowina, wo seit 1981 die Mutter Gottes, in christlicher Tradition Maria, mehreren inzwischen erwachsenen Sehern und Seherinnen erscheint. Der Ort ist dadurch zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des 21. Jahrhunderts geworden und zieht jedes Jahr Millionen von Pilgern und Pilgerinnen aus aller Welt an - und dies, obwohl sich die Führung der Katholischen Kirche mit einer Anerkennung als Wallfahrtsort eher kritisch zurückhielt und lange offizielle Wallfahrten ihres Klerus dorthin verbot. Zumal die Erscheinungen in einen bereits existierenden Konflikt fielen, bei dem der Franziskanerorden die Vorherrschaft der amtskirchlichen Würdenträger in Frage stellte. Die Wallfahrten nach Medjugorje wurden auch zum Ausgangspunkt der Entstehung einiger religiöser Gruppen welche der Hauptgruppe der charismatischer Bewegungen zuzuordnen sind. Diese setzen vor allem auf die persönliche Erfahrung und bedrohen so ebenfalls latent die Autorität der Kirche, wenn sie Pilgerfahrten nach Medjugorje mit einer speziellen Version der charismatischen geprägten Marienverehrung im Rosenkranzgebet organisieren. Dabei ist zu konstatieren, dass die (katholischen) charismatischen Bewegungen, welche aus Medjugorje-Wallfahrten entstanden sind, sich im Gegensatz zu den meisten charismatischen Gruppen vor allem auf Marienfrömmigkeit fokussieren. Die Arbeit legt anhand von ethnographischen Aufzeichnungen dar, warum der Ort Medjugorje für viele Pilgernde und vor allem diejenigen, welche mit der charismatischen Bewegung reisen, solch eine Anziehungskraft ausübt. Des Weiteren wird an der charismatischen Praxis des Rosenkranzbetens gezeigt, wie die Bewegung mit den Pilgernden einen katholisch-charismatischen Hybrid-Habitus im Sinne Bourdieus ausbildet und damit den Konflikt um die Anerkennung des Ortes als offiziellen Wallfahrtsort durch das Kirchenoberhaupt in Rom fokussiert. Die Analyse des Ortes beruht dabei auf der Annahme, dass soziale und materielle Welt zusammenspielen. Hierfür wird die Situationsanalyse nach Adele Clarke soweit adaptiert, dass eine Darstellung der sozialen Praktik des Rosenkranzgebets mit Hilfe der typischen Maps gezeigt werden kann. So kann geklärt werden, wie diese Bewegung dazu beiträgt, dass aus dem kleinen Ort in Bosnien solch ein bedeutender Wallfahrtsort werden konnte.